Choräle und Melodien
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Father most holy, merciful, and tender

Das trinitarische Kirchenlied „Father most holy, merciful, and tender“ besitzt eine jahrhundertealte, multinationale Entstehungsgeschichte. Der zugrundeliegende lateinische Hymnus „O Pater sancte“ stammt vermutlich bereits aus dem 10. Jahrhundert und wurde über Generationen hinweg in der westlichen Kirche zur Matutin am Dreifaltigkeitssonntag gesungen. Seine heutige englische Gestalt erhielt das Werk im Jahr 1906 durch den britischen Pfarrer und Liedtexter Percy Dearmer, der den historischen Text für das einflussreiche Gesangbuch The English Hymnal meisterhaft übersetzte. Während das Lied im englischen Sprachraum oft mit der französischen Melodie „Christe Sanctorum“ verknüpft wird, greift die hier angeführte lutherische Tradition auf die berühmte deutsche Barockmelodie „Herzliebster Jesu“ von Johann Crüger aus dem Jahr 1640 zurück. Diese musikalische Verbindung verleiht dem ursprünglich eher distanzierten lateinischen Lobpreis durch Crügers ausdrucksstarke, getragene Moll-Klangfarbe eine tiefe, meditative Ernsthaftigkeit. Inhaltlich widmet sich das Lied in seinen vier Strophen ganz der christlichen Lehre der Dreieinigkeit, indem es in der ersten Strophe Vater, Sohn und Heiligen Geist jeweils mit ihren spezifischen Heilsattributen anruft.

 

Lutheran Service Book: LSB 504 "Father most holy, merciful, and tender"

Katholisches Gotteslob: GL 290 "Herzliebster Jesu"

Evangelisches Gesangbuch: EG 81 "Herzliebster Jesu"

Evangelisches Gesangbuch: EG 91 "Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken"

 

 

Die zahlreichen Musikvideos hierzu finden Sie unter dem Choral "Herzliebster Jesu".

 

Father, We Thank Thee

Die Melodie RENDEZ À DIEU (auch bekannt als GENEVAN 118 oder GENEVAN 98) ist ein Meilenstein der protestantischen Kirchenmusik. Die Melodie wurde erstmals 1551 in der von Louis Bourgeois herausgegebenen Ausgabe des Genfer Psalters veröffentlicht. Sie wird Louis Bourgeois zugeschrieben, einem engen Weggefährten von Johannes Calvin, der als Kantor an der Kathedrale Saint-Pierre in Genf maßgeblich an der musikalischen Gestaltung der Reformation beteiligt war.

Die Melodie wird weltweit für verschiedene Texte genutzt. In englisch-sprachigen zum Beispiel als Vertonung für "New Songs of Celebration render", "When John Baptized by Jordan's River" oder "Bread of the world" sowie anderen moderne Paraphrasen von Psalm 118. Im deutschen Raum wird sie unter anderem beim Choral Nun saget Dank und lobt den Herren genutzt.

 

Lutheran Service Book: LSB 652

Katholisches Gotteslob: GL 385 "Nun saget Dank und lobt den Herren"

Evangelisches Gesangbuch: EG 294 "Nun saget Dank und lobt den Herren"

Evangelisches Gesangbuch: EG 250 "Ich lobe dich von ganzer Seelen"

Lutheran Service Book: LSB 792 "New songs of celebration render"

 

Erleben Sie hier eine zeitgenössische Bearbeitung dieses bekannten Kirchenliedes für die Orgel. Zu hören ist eine moderne Improvisation von Michael Burkhardt, registriert für die Sakralorgel.

 

Forest Green

Die Melodie „Forest Green“ ist eine traditionelle englische Weise, die heute vor allem als Standardmelodie für das Weihnachtslied „O Little Town of Bethlehem“ in Großbritannien bekannt ist. Der Komponist Ralph Vaughan Williams zeichnete die Melodie im Dezember 1903 auf. Er hörte sie von einem Landarbeiter in dem Dorf Forest Green in der Grafschaft Surrey.

Erleben Sie die weihnachtliche Stimmung mit einem meditativen Komposition von Dan Forrest:

Orgel-Bearbeitung

Komponist: Dan Forrest

Literatur: Music for a Joyous Christmas, Volume 2

Frère Jacques

Das weltbekannte französische Kinderlied "Frère Jacques" ist ein klassischer Kanon, der vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammt. Es handelt sich um ein humorvolles Stück, das von dem schläfrigen Mönch Jakob erzählt, der die Glocken verschläft. Aufgrund der eingängigen Melodie eignet es sich ideal, um gemeinsam das Singen zu lernen. Möglicherweise ist der berühmte Komponist Jean-Philippe Rameau der wahre Schöpfer dieses Werkes. Das Lied wird weltweit in zahlreichen Sprachen gesungen und ist ein echter Klassiker. Sogar Gustav Mahler hat das Motiv für eine seiner Sinfonien in Moll verwendet. Diese universelle Komposition ist ein zeitloser Klassiker, der über Generationen hinweg weitergegeben wird.

 

Gleich zwei Variationen von Hans Uwe Hielscher für Orgel präsentiere ich Ihnen.

Freude, schöner Götterfunken

Beschreibung

Das berühmte Gedicht „An die Freude“ wurde im Jahr 1785 von Friedrich Schiller verfasst und feiert die Vision einer universellen Brüderlichkeit aller Menschen. Unsterblich wurde das Werk durch Ludwig van Beethoven, der diese Zeilen im grandiosen Finalsatz seiner 9. Sinfonie kunstvoll vertonte. Die namensgebende, hymnische Zeile „Freude, schöner Götterfunken“ leitet im klassischen Original den fulminanten Chorgesang ein. Die eingängige und kraftvolle Melodie entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem globalen Symbol für Frieden, Freiheit und Völkerverständigung. Diese berühmte Komposition fand auch Einzug in die christliche Kirchenmusik und ist fester Bestandteil in amerikanischen Gesangsbüchern. Dort singt die Gemeinde das Thema zu einem englischen Text unter dem Titel „Joyful, Joyful We Adore Thee“. So verbindet Beethovens monumentales Meisterwerk das klassische Erbe Europas mit der lebendigen gottesdienstlichen Praxis in Übersee.

 

Gesangbücher

LSB 477: "Alleluia, alleluia! Hearts to heav'n"

LSB 803 "Joyful, joyful we adore Thee"

 

Liedtext: 

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elisium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng getheilt,
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

 

Musikvideos

Hymn to Joy

Komponist: Albert L. Travis

Literatur: Joyful, Joyful

Freu dich, Erd und Sternenzelt

Das traditionelle Weihnachtslied „Freu dich, Erd und Sternenzelt“ blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück. Seine musikalischen und textlichen Wurzeln liegen in einem tschechischen Kirchenlied, das vermutlich bereits im fünfzehnten Jahrhundert gesungen wurde. Dieses basierte wiederum auf einem noch älteren lateinischen Hymnus über die Geburt Christi. Eine erste deutschsprachige Fassung des Textes wurde schließlich im Jahr 1844 im böhmischen Leitmeritz gedruckt. Um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts überarbeitete Johannes Pröger die Zeilen für den modernen Gebrauch. In dieser aktualisierten Form ist das festliche Stück heute ein fester Bestandteil der christlichen Gesangbücher. Aufgrund seiner eingängigen Struktur und der freudigen Botschaft erfreut es sich bis heute großer Beliebtheit.

Evangelisches Gesangbuch: EG 47

Lutheran Service Book: LSB 381 "Let our gladness have no end"

Liedtext: 

Freu dich, Erd und Sternenzelt, Halleluja; Gottes Sohn kam in die Welt, Halleluja. Uns zum Heil erkoren, ward er heut geboren, heute uns geboren.

 

Fest-Fantasie

Komponist: Lambert Kleesattel

Literatur: In dulci jubilo

Freu dich sehr, o meine Seele

Die Lieder „Freu dich sehr, o meine Seele“ und „Comfort, comfort ye my people“ sind durch dieselbe berühmte Melodie untrennbar miteinander verbunden. Die musikalische Basis stammt ursprünglich aus dem Genfer Psalter von 1551, wo der Komponist Louis Bourgeois sie für den 42. Psalm schuf. Da im englischsprachigen Raum Kirchenliedmelodien feste Eigennamen tragen, wird diese Komposition dort offiziell unter dem deutschen Namen „FREU DICH SEHR“ geführt. Beide Liedtexte wurden exakt auf das identische, markante Versmaß gedichtet, wodurch sich die Strophen problemlos in die jeweils andere Sprache übertragen lassen. Trotz der gemeinsamen Musik unterscheiden sich die Lieder inhaltlich und liturgisch stark voneinander. Während der deutsche Choral im Evangelischen Gesangbuch als Trostlied für die Sterbestunde verankert ist, widmet sich die englische Variante der freudigen Erwartung der Adventszeit. So verbindet eine einzige historische Melodie zwei völlig unterschiedliche spirituelle Themen über Sprachgrenzen hinweg.

Evangelisches Gesangbuch: EG 524

Lutheran Service Book: LSB 347 "Comfort, comfort ye my people"

Liedtext: 

Freu dich sehr, o meine Seele,
und vergiss all Not und Qual,
weil dich nun Christus, dein Herre,
ruft aus diesem Jammertal.
Aus Trübsal und großem Leid
sollst du fahren in die Freud,
die kein Ohr hat je gehöret,
die in Ewigkeit auch währet.

 

Fröhliche Weihnacht überall

Das bekannte Weihnachtslied „Fröhliche Weihnacht überall“ stammt ursprünglich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Während die Melodie oft als englisches Volkslied bezeichnet wird, ist der heute bekannte deutsche Text eng mit der Kinderliedtradition dieser Zeit verknüpft. Der deutsche Text wird häufig August Heinrich Hoffmann von Fallersleben zugeschrieben: ein früher schriftlicher Beleg findet sich in einem Schulliederbuch aus Dresden.

Im Gegensatz zu vielen anderen klassischen Weihnachtsliedern, die für die feierliche Messe geschrieben wurden, ist „Fröhliche Weihnacht überall“ ein ausgesprochenes Jubellied, das zur Ausgelassenheit und zum Mitsingen einlädt.

 

"Fröhliche Weihnacht allerseits"

Komponist: Matthias Nagel

Literatur: Special Pipes 3

From all the dwell below the skies

Das weltweit populäre Loblied „From all that dwell below the skies“ basiert textlich auf einem kirchenmusikalischen Geniestreich des berühmten englischen Liederdichters Isaac Watts aus dem Jahr 1719. Es handelt sich dabei um eine meisterhafte, prägnante Nachdichtung von Psalm 117, dem kürzesten Kapitel der gesamten Bibel. Während der Text im englischsprachigen Raum historisch oft mit der Weise „Duke Street“ unterlegt wurde, erlangte die festliche Verbindung mit der altehrwürdigen deutschen Melodie „Lasst uns erfreuen“ eine ganz besondere internationale Beliebtheit. Diese prachtvolle Melodie hat tiefe historische Wurzeln und wurde erstmals 1623 im jesuitischen Gesangbuch Ausserlesene Catholische Geistliche Kirchengesänge in Köln als Osterlied veröffentlicht. Im Jahr 1906 griff der britische Komponist Ralph Vaughan Williams die Melodie für The English Hymnal auf, passte sie rhythmisch an und fügte die heute charakteristischen, jubelnden „Hallelujah“-Rufe als Refrain-Elemente ein. Inhaltlich ist das Lied ein zeitloser, optimistischer Aufruf zur weltumspannenden Anbetung, der alle Völker, Sprachen und Kulturen der Erde in einem gemeinsamen Lobpreis vereint.

Lutheran Service Book: LSB 816

Katholisches Gotteslob: GL 533 "Lasst uns erfreuen herzlich sehr"

 

 

Orgel-Bearbeitung

Komponist: June Nixon

Literatur: Sammelband Festival Finales

From depths of woe I cry to Thee

Das tiefgründige reformatorische Kirchenlied „From depths of woe I cry to Thee“ basiert auf Martin Luthers berühmtem deutschen Bußpsalm „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ aus dem Jahr 1523. Luther verfasste das Werk als metrische Nachdichtung von Psalm 130, um den Gläubigen das Singen der Heiligen Schrift in ihrer eigenen Sprache zu ermöglichen. Die dazugehörige, klagende und zugleich hoffnungsvolle Melodie im historischen phrygischen Modus wird ebenfalls dem Reformator selbst zugeschrieben. Im englischsprachigen Raum erlangte das Lied vor allem durch die kongenialen Übersetzungen von Literatinnen wie Catherine Winkworth im 19. Jahrhundert eine weite Verbreitung. Inhaltlich spiegelt das Werk Luthers eigene, existenzielle Ringen um Gnade wider und stellt die reformatorische Kerntheologie der Rechtfertigung allein durch Gottes Barmherzigkeit in den Mittelpunkt. Die Strophen führen den Singenden aus der tiefen Verzweiflung über die eigene Sündhaftigkeit hin zu einem festen, geduldigen Vertrauen auf Gottes Zusagen.

Lutheran Service Book: LSB 607

Katholisches Gotteslob: GL 277 "Aus tiefer Not ruf ich zu Dir"

Evangelisches Gesangbuch: EG 299 "Aus tiefer Not ruf ich zu Dir"

From east to west, from shore to shore

Das festliche Weihnachtslied „From east to west, from shore to shore“ hat eine jahrhundertealte, grenzüberschreitende Entwicklungsgeschichte, die bis in die Spätantike zurückreicht. Die textliche Basis bildet der lateinische Hymnus „A solis ortus cardine“, den der frühchristliche Dichter Caelius Sedulius um das Jahr 450 nach Christus verfasste. Martin Luther übersetzte diesen klassischen Text im Jahr 1524 unter dem Titel „Christum wir sollen loben schon“ ins Deutsche, um die lateinische Tradition für das Volk singbar zu machen. Die heute im englischsprachigen Raum populäre Fassung verdankt ihre Struktur der feinsinnigen Übersetzung des britischen Gelehrten John Ellerton aus dem 19. Jahrhundert. Melodisch wird das Lied im lutherischen Kontext eng mit der berühmtesten aller deutschen Weihnachtsgeschichten-Weisen verknüpft: der prachtvollen Melodie „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ aus dem Jahr 1539. Inhaltlich besingt das Werk die Menschwerdung Gottes und zeichnet den Weg Jesu Christi vom kosmischen Ursprung bis hinein in die ärmliche Krippe nach. Die bildreiche Sprache feiert den Triumph der göttlichen Liebe über die irdische Vergänglichkeit und lädt die Gläubigen weltweit zu einem frohen, verbindenden Weihnachtslobpreis ein.

 

Lutheran Service Book: LSB 385

Lutheran Service Book: LSB 358 "From heaven above to earth I come"

Katholisches Gotteslob: GL 237 "Vom Himmel hoch, da komm ich her"

Evangelisches Gesangbuch: EG 24 "Vom Himmel hoch, da komm ich her"

 

Die Musikvideos hierfür finden Sie unter dem Choral Vom Himmel hoch, da komm ich her.

From heaven above to earth I come

Dies ist die englische Fassung von Martin Luthers bekanntem Choral „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Der Reformator verfasste dieses monumentale Werk um das Jahr 1534 als ein „Kinderlied auf die Weihnacht Christi“ für seine eigenen Kinder und die häusliche Weihnachtsfeier. Die heute gebräuchliche, feierliche Melodie komponierte Luther im Jahr 1539 selbst, nachdem der Text in den ersten Jahren noch auf eine weltliche Volksweise gesungen worden war. Seine bis heute maßgebliche englische Gestalt erhielt das Werk im 19. Jahrhundert durch die treue Übersetzung der britischen Sprachwissenschaftlerin Catherine Winkworth. Inhaltlich orientiert sich das Lied eng an der Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums und lässt in den ersten fünf Strophen den Verkündigungsengel im Ich-Form zu den Hirten sprechen. Im weiteren Verlauf des 15 Strophen umfassenden Liedes antwortet die Gemeinde voller Freude, eilt symbolisch zur Krippe und betrachtet staunend das Paradoxon, dass der Schöpfer des Universums arm auf Stroh und Heu liegt.

 

Lutheran Service Book: LSB 358

Lutheran Service Book: LSB 385 "From east to west, from shore to shore"

Katholisches Gotteslob: GL 237 "Vom Himmel hoch, da komm ich her"

Evangelisches Gesangbuch: EG 24 "Vom Himmel hoch, da komm ich her"

 

Die Musikvideos hierfür finden Sie unter dem Choral Vom Himmel hoch, da komm ich her.

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