Aus tiefer Not ruf ich zu Dir

Das Lied „Aus tiefer Not ruf ich zu dir“ ist einer der Bußpsalmen der Reformationszeit. Es war eines der ersten Lieder von Martin Luther aus dem Jahr 1523 und gilt als Musterbeispiel für die reformatorische Theologie. Luther verfasste 1524 auch die heute gebräuchliche Melodie selbst (ursprünglich im phrygischen Tonfall), die den klagenden und zugleich hoffnungsvollen Charakter des Textes unterstreicht. 

 

Das Lied thematisiert das Kernanliegen der Reformation: Wie wird der Mensch vor Gott gerecht? Es beginnt mit der existenziellen Erfahrung der Gottesferne und der eigenen Unvollkommenheit. „Aus tiefer Not“ beschreibt nicht eine äußere Notlage, sondern die innere Not des Sünders vor dem heiligen Gott.

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Angst

Komponist: Thomas Riegler
Literatur: Originelle Choralvorspiele Band 1
Schwierigkeit: mittel

Liedtext

Katholisches Gotteslob: GL 277
Evangelisches Gesangbuch: EG 299

Aus tiefer Not ruf ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen.
Dein gnädig Ohr neig her zu mir und meiner Bitt es öffne;
denn so du willst das sehen an, was Sünd und Unrecht ist getan,
wer kann, Herr, vor dir bleiben?

Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, die Sünde zu vergeben;
es ist doch unser Tun umsonst auch in dem besten Leben.
Vor dir niemand sich rühmen kann; des muss dich fürchten jedermann
und deiner Gnade leben.

Darum auf Gott will hoffen ich, auf mein Verdienst nicht bauen.
Auf ihn mein Herz soll lassen sich und seiner Güte trauen,
die mir zusagt sein wertes Wort. Das ist mein Trost und treuer Hort;
des will ich allzeit harren.

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